Tårup Strand, Dänemark 2018

Donnerstag, 9. August 2018: Svendborg

Svend­borg ist eine alte Han­dels- und Hafen­stadt am Süd­zip­fel von Fyn, in der man eine gute Anzahl alter Häuss­chen, eine Hafen­in­sel mit vie­len Gale­rien und Kunst­pro­jek­ten, eine Kir­che mit sehr selt­sa­men Orgel­pfei­fen – ein paar sind waa­ge­recht in den Kir­chen­raum aus­ge­rich­tet – und das ein­zi­ge Armen­haus­mu­se­um* in Däne­mark besich­ti­gen kann. Außer­dem gibt’s beim Bäcker im Super­markt rie­sen­gro­ße Bröt­chen. Mei­ne auf Dänisch gestell­te Fra­ge nach dem Tou­ris­ten­bü­ro wird von einer enga­gier­ten Frau mit einem däni­schen Rede­schwall beant­wor­tet, dem ich geis­tes­ge­gen­wär­tig wegen des Arm­we­delns die Rich­tung sowie die Orts­an­ga­be „Hav­nep­lad­sen“ ent­neh­men kann. Puh. Kurz dar­auf rennt(!) die Frau los um die Ecke zu einer ver­steck­ten Tafel und anschlie­ßend sofort wie­der zu mir zurück, nur um mir mit einem wei­te­ren Rede­schwall zu bestä­ti­gen, dass ihre Ver­mu­tung rich­tig war. Ich mag die Dänen!

*Eigent­lich ja „Für­sor­ge­mu­se­um“ und tat­säch­lich ein Armen­haus, das bis Mit­te der 70er Jah­re betrie­ben wur­de. Es wur­de vor über 100 Jah­ren für die Armen, Kran­ken, Alten und Obdach­lo­sen ein­ge­rich­tet. Mit dem Ein­zug oder der Ein­wei­sung (man­che kamen tat­säch­lich frei­wil­lig, weil sie ihre Woh­nung nicht mehr bezah­len konn­ten und ande­re wur­den wg. Trun­ken­heit oder Land­strei­che­rei auf­ge­grif­fen) wur­den einem alle Bür­ger­rech­te aberkannt. Die „wür­di­gen“ Armen leb­ten in der Ver­sor­gungs­ab­tei­lung. Das waren meist älte­re und ein­sa­me Men­schen ohne Fami­lie oder Ehe­part­ner, die sich um sie küm­mer­ten. Die­se Grup­pe umfass­te auch die „schwa­chen Armen“, wie die Behin­der­ten oder Geis­tes­kran­ken. Die „unwür­di­gen“ Armen wur­den in das Arbeits­haus geschickt, in dem Män­ner und Frau­en getrennt wur­den. Im 19. Jh. sicher­lich ein moder­ner Ver­such, Men­schen mit Arbeit und Ent­halt­sam­keit wie­der ins gere­gel­te Leben zu brin­gen. Aber bedrückt hat’s einen schon …

Im Innen­hof des Armen­hau­ses füh­ren wir übri­gens einen erfolg­lo­sen Kampf gegen eine stän­dig umfal­len­de Wäsche­s­tüt­ze. Denn jede anstän­di­ge Wäsche­s­tüt­ze hat ein spit­zes Ende, mit der man sie in den Boden ram­men kann – die­se jedoch nicht; und des­halb wer­den noch Genera­tio­nen von Besu­chern ver­zwei­felt mit ihr rin­gen.

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