Tårup Strand, Dänemark 2018

Montag, 6. August:
Nyborg

Der Tag geht schon­mal gut los. Unser Dresd­ner Nach­bar fragt, ob wir ihm nicht wie bespro­chen unse­ren Brief­kas­ten­schlüs­sel in sei­nen Brief­kas­ten gewor­fen hät­ten. Meine Ant­wort, dass wir dies getan haben sowie der Umstand, dass sein Brief­kas­ten nach meh­re­ren Tagen Abwe­sen­heit kom­plett leer war, lässt nur einen Schluss zu: jemand hat sich am Brief­kas­ten­in­halt bedient. Super.

Unser zwei­ter fami­li­en­in­ter­ner Brief­kas­ten­schlüs­sel ist mit nach Däne­mark gereist und muss, um unse­ren Brief­kas­ten vor dem Explo­die­ren zu bewah­ren, schnells­tens nach Dres­den. Ein ers­ter Ver­such in der Nybor­ger UPS-„Filiale“, einem Fahr­rad­la­den, schei­tert kom­plett am von wenig Kom­pe­tenz zeu­gen­den Gespräch mit den aller­dings sehr freund­li­chen Fahr­rad­schrau­bern. Wir könn­ten ja ein UPS-Eti­kett dru­cken und dann den Umschlag vor­bei­brin­gen. Wir haben im Urlaub aber kei­nen Dru­cker dabei … Der Fol­ge­vor­schlag – man könnte viel­leicht in der Biblio­thek etwas aus­dru­cken – lässt uns umden­ken. (Ich muss den jun­gen Mann in Schutz neh­men, denn er kann nichts dafür, dass der Fahr­rad­la­den nur eine Sam­mel­stelle für UPS ist. Er hat sich wenigs­tens Zeit für uns genom­men und einen Lösungs­vor­schlag gemacht.) Wir rol­len zur Tou­ri­info, ver­si­chern uns vor­sich­tig, dass die Däni­sche Post immer­noch so lahm­ar­schig ist wie immer („Yes, the Danish Post offers a very slow ser­vice“), und wir nut­zen den Hin­weis auf einen GLS-Stand im nahe­lie­gen­den Super­markt. Das Per­so­nal dort wirkt fit­ter als das im Fahr­rad­la­den, und so geht der Schlüs­sel auf die Reise. Und ich habe mich sofort an die Däni­schen Gepflo­gen­hei­ten adap­tiert und eine Num­mer gezo­gen, ohne die der War­tende nicht bedient wer­den würde.

Nyborg ist ein unauf­ge­reg­tes kleine Städt­chen mit einem gro­ßen kos­ten­lo­sen Park­platz und einem wun­der­schö­nen alten Schloss. Eigent­lich. Denn rund um das wun­der­schöne alte Schloss hängt ein top­mo­der­nes häss­li­ches Gerüst und bedeckt den Bau kom­plett. Nyborg Slot wird der­zeit kom­plett­sa­niert und auf den Stand vor der schwe­di­schen Zer­stö­rung zurück- und umge­baut, und das wird sich nicht nur ein paar Stun­den, son­dern noch ein paar Jahre zie­hen. Aber dann ist es bestimmt das tollste und best­re­stau­rier­teste Schloss aus dem 16. Jh., das wir jemals gese­hen haben. Wir spa­zie­ren des­halb nur um das Schloss herum, ent­lang an den alten Fes­tungs­grä­ben und Bas­tio­nen und Kanonen.

Am Ende der Tour besu­chen wir noch eine alte Mühle am Orts­rand von Nyborg. Innen ist schon alles recht morsch, aber erste wirk­li­che Zwei­fel kom­men mir dann beim Wackeln am Gelän­der der Außen­ga­le­rie, oder wie auch immer die­ser Teil einer Mühle heißt. Also immer schön eine Arm­länge Abstand – der Außen­weg nach unten sieht ver­dammt lang und aua aus.

Auf dem Rück­weg über­fal­len wir den loka­len Bäcker, und ich bestelle auf Dänisch(!) (Ja, Herr H. ist sprach­lich mutig und gewand. Und die däni­sche Ver­käu­fe­rin hat sich auch über diese beson­dere Höf­lich­keit gefreut.) zwei Stück der loka­len Spe­zia­li­tät „Bruns­vig Kage“, einem kara­mell­zu­cke­ri­gen Zucker­ku­chen (die Kara­mell­zu­cker­de­cke auf dem Kuchen ist fast so dick wie der Teig …) von her­vor­ra­gen­der Schme­ckig­keit. Mit dem im Gepäck geht es ab nach Hause zu Kaf­fee und Tages­ab­schluss am Strand mit Bier in der Hand.

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