Tårup Strand, Däne­mark 2018

Mitt­woch, 8. August 2018: Eges­kov Slot

Das Ent­set­zen kam ges­tern, kurz bevor der Schlaf die Macht über­neh­men konnte: Mir fiel sie­dendheiß ein, dass ich bei der Emp­fän­ger­adresse für den Schlüs­sel eine fal­sche Straße ange­ge­ben hatte und der Emp­fän­ger damit nicht auf­find­bar wäre. Klasse. Wenn’s ein­mal läuft … Eine nächt­li­che Recher­che bei GLS ergab, dass der Tele­fon­ser­vice täg­lich von 8 bis 18 Uhr besetzt ist; außer­halb die­ser Zei­ten emp­fiehlt man mir die Nut­zung des Kon­takt­for­mu­lars. Ich ver­fasse also eine schrift­li­che Anfrage; auf die Ant­wort warte ich übri­gens noch heute!

Um das Schlüs­sel­drama end­lich zu einem Ende zu brin­gen, klin­gele ich also früh Schlag 8 Uhr bei GLS Deutsch­land durch und erfahre, dass GLS Däne­mark zustän­dig ist für Adress­än­de­run­gen. Auf mei­nen Ein­wand hin, dass die Express­sen­dung laut Tracking seit 7.45 Uhr im deut­schen Zustell­fahr­zeug sei, kommt nur ein akus­ti­sches Schul­ter­zu­cken. Ich liebe inter­na­tio­nal arbei­tende Kon­zerne und Dienst­leis­ter, die von über­all auf die glei­che Daten­bank zugrei­fen und trotz­dem nichts machen kön­nen, wenn man nur drei Meter neben dem fal­schen Land steht.

GLS Däne­mark ist im Gegen­satz dazu tat­säch­lich eine große Hilfe. Inner­halb von weni­gen Minu­ten ändert die freund­li­che Ser­vice­kraft den Stra­ßen­na­men und die Haus­num­mer, und tat­säch­lich wird der Schlüs­sel im Laufe des Tages nach knapp zwei Tagen Lauf­zeit an die rich­tige Adresse zuge­stellt. Hurra! Denn das Glück ist mit den Dänen und denen, denen Dänen nahe­ste­hen!

Da der Tag wegen des Anrufs recht zei­tig beginnt, fal­len wir auch ent­spre­chend zei­tig an den Früh­stücks­tisch und beschlie­ßen, heute Schloss Eges­kov zu besu­chen. Die­ses ist noch in Pri­vat­be­sitz und von einem ver­hält­nis­mä­ßig gro­ßen (nach Stowe im letz­ten Jahr bin ich dahin­ge­hend ein wenig ver­dor­ben) Park umge­ben. (Der Ein­tritts­preis von 30 EUR/​Person ist nicht ohne. Aber irgend­wie muss die ade­lige Fami­lie ja den Besitz erhal­ten kön­nen.) Die­ser Park lädt in der Tat zu einem lau­schi­gen Rund­gang durch Duft- und Kräu­ter­gär­ten, Hecken und Baum­rei­hen rund um das male­risch gele­gene eigent­li­che Was­ser­schloss ein. Ich habe schon lange nicht mehr so viele Bie­nen her­um­schwir­ren sehen! Und ich meine, ver­schie­dene Bie­nen­ras­sen gese­hen zu haben. Einige Hum­meln waren auch zugange. Wir ver­trei­ben uns die Zeit, besich­ti­gen um und im Schloss alles, was es zu besich­ti­gen gibt (fast war ich ver­sucht zu fra­gen, wo denn der Kel­ler mit den ein­ge­mau­er­ten ade­li­gen „Quer­trei­bern“ ist, aber das hätte das Per­so­nal viel­leicht ver­un­si­chert 😉 ) und sam­meln am Ende nebst eini­gen Fotos der Gärt­ner­kat­zen­fa­mi­lie (rot geti­ger­ter Papa, grau geti­gerte Mama, schwar­zer Nach­wuchs) noch eine Gera­nie ein, deren Blät­ter nach dem Rub­beln nach Schoko-Minze rie­chen. Es hätte auch Zitrus‑, Euka­lyp­tus- und andere Duft­züch­tun­gen gege­ben, aber wir lie­ben nun ein­mal Scho­ko­lade. Und der beste Ehe­mann der Welt musste mich fast mit Gewalt von den Kat­zen weg­zer­ren. Ich hätte ewig im Gar­ten dabei­sit­zen kön­nen! Nur gut, dass wir sie erst zum Ende des Tages getrof­fen haben, sonst hätte ich von Park und Gar­ten nichts gese­hen 😉

Bei den Aus­stel­lungs­stü­cken im Schloss war der Fokus oft auf Jagd und Waf­fen gerich­tet. Bizarr für mich war daran, dass der der­zei­tige Schloss­herr der Mei­nung ist, dass auch der Ade­lige des 21 Jh. eine Duell­waffe besit­zen muss. Gesagt getan! Aller­dings konnte sich auf Grund der Waf­fen­ge­setze in Däne­mark nur eine Luft­druck­waffe zule­gen. Naja, wenigs­tens sind die Hand­schuhe und der Sie­gel­ring dazu authen­tisch 😉 Ach ja: Das Gra­fen­paar darf übri­gens in den eige­nen Wäl­dern mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gehen. Was die bei­den auch tun. Sehr ange­nehm und äußerst gegen­sätz­lich dazu war dann die Samm­lung von alten Küchen­uten­si­lien mecha­ni­schem Spiel­zeug im Dach­bo­den den Schlos­ses. Und hier wurde der beste Ehe­mann der Welt auch „Opfer“ der Kin­der­freund­lich­keit der Dänen: Er – Herr H. – steht an einem der Dach­fens­ter, um ein Foto vom Park zu machen. Ein Däne schiebt seine Kin­der vor ihn, damit sie etwas sehen kön­nen. Jetzt ist das Motiv zwar ver­deckt, aber die Kin­der sind glück­lich. Nun ist Herr H. eine Per­sön­lich­keit, die nicht zu über­se­hen ist und auch sein Vor­ha­ben war klar erkenn­bar. Aber wenn die lie­ben Klei­nen nun mal unbe­dingt und sofort ans Fens­ter müs­sen … Dass sich dann noch eine volu­mi­nöse Frau vor die Kame­ra­linse gescho­ben hat, ist im Kin­der­kon­text nicht logisch, aber den­noch pas­siert.

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