Blick über Zeil am Main von der Käppele aus

Franken, Zeil am Main 2026

Freitag, 7. August:
Bayreuth

Natür­lich, das muss sein. Auch wenn uns mit Wag­ner, Wie­land dem Schmied und Opern­di­ven wenig ver­bin­det, haucht die Stadt genug Kul­tur und Geschichte, um besucht zu wer­den. In der Tou­ris­ten­in­for­ma­tion kann man wäh­len zwi­schen einem kos­ten­lo­sen Stadt­wan­der­plan mit eigent­lich gar kei­nen Infor­ma­tio­nen, einem etwas bes­se­ren Stadt­plan für 10 Euro und einem Marco-Polo-Druckerzeug­nis für 14 Euro, wel­ches auch noch etli­che andere frän­ki­sche Sehens­wür­dig­kei­ten umfasst. Da wir Fans von bedruck­tem Papier als Stadt­füh­rer sind – nichts finde ich übler, als mit vier Kame­ras durch die Gegend zu ren­nen und zusätz­lich auf ein Smart­phone zu glot­zen! –, gön­nen wir uns also die teu­erste Variante.

Bay­reuth ist am Ende klei­ner, als man es von Wag­ner gewohnt ist. Durch die Stadt zieht sich ein „Walk of Wag­ner“, der an vie­len Stel­len kleine, zum Teil sehr humor­volle Geschich­ten aus Wag­ners Wir­ken, den Pro­ble­men mit sei­nen Künst­lern, den tech­ni­schen Raf­fi­nes­sen sei­ner Auf­füh­run­gen usw. schil­dert. Wir haben zum Teil herz­lich gelacht, also Augen auf – es lohnt sich! Und die Stim­mung in Bay­reuth ist sehr ent­spannt und läs­sig. So „undeutsch“.

Wir lau­fen durch den Hof­gar­ten, vor­bei an Haus Wahn­fried, in diverse Kir­chen und zum Abschluss noch ins kleine, aber sehr schön gemachte Urwelt-Museum, in dem man sich über die Geo­lo­gie Fran­kens kun­dig machen kann, Ver­stei­ne­run­gen bestaunt und von den gezeich­ne­ten Figu­ren Graf Basti und sei­nem Side­kick beglei­tet wird, die gerade lei­der aus­sor­tiert wer­den … Es gibt dort einen begeh­ba­ren Gold­kris­tall und – unbe­dingt aus­pro­bie­ren! – eine Zeit­ma­schine durch diverse Erdzeitalter.

Abends hören wir im Gespräch mit unser Ver­mie­te­rin eine kleine Anek­dote rund um den Wein­an­bau in Zeil: Durch den Kli­ma­wan­del wird es lang­sam mög­lich, in Fran­ken nicht nur sehr tro­ckene, essig­nahe Weiß­weine, son­dern sogar Rot­weine, Rosés und einen soge­nann­ten „Rot­ling“ zu pro­du­zie­ren. Ein lokal sehr bekann­ter Win­zer hatte aller­dings andere Pläne und sei­nen (sogar prä­mier­ten!) Rot­ling mit Rote-Beete-Saft gefärbt. Nach­dem das auf­ge­flo­gen war, wur­den Unmen­gen Wein in die Kana­li­sa­tion geschüt­tet; das lokale Klär­werk hatte es aber nicht geschafft, die Rote-Beete-Farbe zu fil­tern, wes­halb es danach Beschwer­den über die selt­same rote Farbe des Trink­was­sers gab. Also hat man den Rest­wein in der gan­zen Gegend ver­teilt ins Was­ser gelei­tet, um eine aus­rei­chende Ver­dün­nung der Farbe zu gewährleisten …

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