Sonntag, 9. August:
Klosteranlage Ebrach
Unweit von Zeil liegt südlich die alte Zisterzienser-Klosteranlage Ebrach, welche ab 1127 erbaut wurde und im Laufe der Jahrhunderte enorme Größe und Wichtigkeit erlangte. Angeblich soll am ursprünglich geplanten Bauort eine Rotte Wildschweine den Abtstab geklaut und dann dort im Sumpfland fallengelassen haben, wo die Anlage schlussendlich entstand. Nunja. Wahrscheinlich wird die bessere Wasserversorgung – durch jedes Zisterzienserkloster musste ein Bach führen, um Dreck und Abfälle wegführen zu können – ausschlaggebend gewesen sein.
Seit ungefähr 150 Jahren sind Teile des Klosters eine Justizvollzugsanstalt, da nach der Säkularisierung der Freistaat Bayern dringend Unterkünfte für ehemalige Zuchthausinsassen suchte und auf den Trichter kam, ungenutze Klosteranlagen im Besitz des Freistaats dafür zu nutzern. Unser heutiger Tourguide hatte selbst 45 Jahre in der JVA gearbeitet und sich bis hinter die drittschönste
Zimmertür qualifiziert. Neben der Informationstelle „Cisterscapes“, an der man die Führungen beginnt, befindet sich auch noch Bayerns kleinste Polizeidienststelle mit nominell 1,5 Personalstellen – eine Vollzeitstelle, die andere halbe Stelle dient der Urlaubs- und Krankheitsvertretung.
Wir sind ein bisschen zu zeitig da, laufen deshalb noch eine kleine Runde durch den ortsangrenzenden Wald, entdecken auf dem Weg zur Toursammelstelle einen Eisautomaten, welchen wir später sogar nutzen. Den Rest der Wartezeit verbringen wir mit der makaber-unterhaltsamen Lektüre der Google-Rezensionen für das ortskernnahe „Historikhotel Klosterbräu“.
In die Klosterkirche kommt man nur mit einer Führung; insgesamt waren wir dabei vier Personen, und in so einer kleinen Gruppe ein so riesiges, schönes Gebäude gezeigt zu bekommen, war eine durchaus angenehme Erfahrung. Die Kirche ist immerhin 92 Meter lang und verfügt über 25 Altäre, weil früher bis zu 70 Priester jeweils täglich mindestens eine Messe für Verstorbene oder aus anderen Gründen lesen mussten, was mit einem Hauptaltar irgendwann zeitlich einfach nicht mehr machbar war. Die ursprüngliche farblos-weiße Gestaltung nach Vorgaben des Zisterzienserordens ist noch in der Michaelskapelle erhalten, der Rest der Kirche ist wesentlich opulenter ausgestattet. Zum Abschluss besuchen wir noch den Kaisersaal; der Aufgang und der Saal selbst sind ebenfalls nur in Begleitung zu besichtigen, weil man von dort teilweise zu Verwaltungsräumen der JVA gelangt.
Die Orangerie ist heute als solche nicht mehr erkennbar, da man daraus Personalwohnungen geschaffen und die großen Fenster deshalb herausgerissen hat. Den Pegasusbrunnen im Prunkgarten unterhalb der Orangerie hat irgendwer irgendwann abgerissen und verkauft, er ist heute nicht mehr auffindbar. An seiner Stelle liegt ein schlichter Steinhaufen …
Unser Guide erwies sich als äußerst kenntnisreich im Detail, auch wenn er mal zugeben musste, etwas nicht zu wissen. Aber wenn man mir erzählt, dass über dem Eingang zur heutigen JVA „links und rechts Kaiser Friedrich und sein Sohn“ dargestellt sind, dann will ich auch wissen, welcher Friedrich das war. Wusste er nicht. Müsste aber – wenn es um die Bauzeit der Zisterzienserabtei geht – Friedrich der I. sein. Und bei einem Detail bzw. einer kurzen Bemerkung wollte ich erst gar nicht nachfragen: „Ist noch etwas durcheinander hier wegen des Unfalls gestern …“ Wir sind ja nicht sensationslüstern! Allerdings wurden wir beim Betreten der ehemaligen Abtei darauf hingewiesen, dass die Blumen „noch vom Empfang von gestern“ seien, als ein verdienter Bürger von Ebrach geehrt wurde, der immerhin schon 90 Jahre ist. Und da kam es zu dem Unfall. Jetzt musste ich fragen! „Ist etwas schlimmes passiert?“ Nun, der Geehrte ist gestürzt und hat sich die Hüfte gebrochen.













