Blick über Zeil am Main von der Käppele aus

Franken, Zeil am Main 2026

Sonntag, 9. August:
Klosteranlage Ebrach

Unweit von Zeil liegt süd­lich die alte Zis­ter­zi­en­ser-Klos­ter­an­lage Ebrach, wel­che ab 1127 erbaut wurde und im Laufe der Jahr­hun­derte enorme Größe und Wich­tig­keit erlangte. Angeb­lich soll am ursprüng­lich geplan­ten Bau­ort eine Rotte Wild­schweine den Abt­stab geklaut und dann dort im Sumpf­land fal­len­ge­las­sen haben, wo die Anlage schluss­end­lich ent­stand. Nunja. Wahr­schein­lich wird die bes­sere Was­ser­ver­sor­gung – durch jedes Zis­ter­zi­en­ser­klos­ter musste ein Bach füh­ren, um Dreck und Abfälle weg­füh­ren zu kön­nen – aus­schlag­ge­bend gewe­sen sein.

Seit unge­fähr 150 Jah­ren sind Teile des Klos­ters eine Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt, da nach der Säku­la­ri­sie­rung der Frei­staat Bay­ern drin­gend Unter­künfte für ehe­ma­lige Zucht­haus­in­sas­sen suchte und auf den Trich­ter kam, unge­nutze Klos­ter­an­la­gen im Besitz des Frei­staats dafür zu nut­zern. Unser heu­ti­ger Tour­guide hatte selbst 45 Jahre in der JVA gear­bei­tet und sich bis hin­ter die drittschönste
Zim­mer­tür qua­li­fi­ziert. Neben der Infor­ma­ti­on­s­telle „Cis­ter­s­capes“, an der man die Füh­run­gen beginnt, befin­det sich auch noch Bay­erns kleinste Poli­zei­dienst­stelle mit nomi­nell 1,5 Per­so­nal­stel­len – eine Voll­zeit­stelle, die andere halbe Stelle dient der Urlaubs- und Krankheitsvertretung.

Wir sind ein biss­chen zu zei­tig da, lau­fen des­halb noch eine kleine Runde durch den orts­an­gren­zen­den Wald, ent­de­cken auf dem Weg zur Tour­sam­mel­stelle einen Eis­au­to­ma­ten, wel­chen wir spä­ter sogar nut­zen. Den Rest der War­te­zeit ver­brin­gen wir mit der maka­ber-unter­halt­sa­men Lek­türe der Google-Rezen­sio­nen für das orts­kern­nahe „His­to­rik­ho­tel Klosterbräu“.

In die Klos­ter­kir­che kommt man nur mit einer Füh­rung; ins­ge­samt waren wir dabei vier Per­so­nen, und in so einer klei­nen Gruppe ein so rie­si­ges, schö­nes Gebäude gezeigt zu bekom­men, war eine durch­aus ange­nehme Erfah­rung. Die Kir­che ist immer­hin 92 Meter lang und ver­fügt über 25 Altäre, weil frü­her bis zu 70 Pries­ter jeweils täg­lich min­des­tens eine Messe für Ver­stor­bene oder aus ande­ren Grün­den lesen muss­ten, was mit einem Haupt­al­tar irgend­wann zeit­lich ein­fach nicht mehr mach­bar war. Die ursprüng­li­che farb­los-weiße Gestal­tung nach Vor­ga­ben des Zis­ter­zi­en­ser­or­dens ist noch in der Micha­els­ka­pelle erhal­ten, der Rest der Kir­che ist wesent­lich opu­len­ter aus­ge­stat­tet. Zum Abschluss besu­chen wir noch den Kai­ser­saal; der Auf­gang und der Saal selbst sind eben­falls nur in Beglei­tung zu besich­ti­gen, weil man von dort teil­weise zu Ver­wal­tungs­räu­men der JVA gelangt.

Die Oran­ge­rie ist heute als sol­che nicht mehr erkenn­bar, da man dar­aus Per­so­nal­woh­nun­gen geschaf­fen und die gro­ßen Fens­ter des­halb her­aus­ge­ris­sen hat. Den Pega­sus­brun­nen im Prunk­gar­ten unter­halb der Oran­ge­rie hat irgend­wer irgend­wann abge­ris­sen und ver­kauft, er ist heute nicht mehr auf­find­bar. An sei­ner Stelle liegt ein schlich­ter Steinhaufen …

Unser Guide erwies sich als äußerst kennt­nis­reich im Detail, auch wenn er mal zuge­ben musste, etwas nicht zu wis­sen. Aber wenn man mir erzählt, dass über dem Ein­gang zur heu­ti­gen JVA „links und rechts Kai­ser Fried­rich und sein Sohn“ dar­ge­stellt sind, dann will ich auch wis­sen, wel­cher Fried­rich das war. Wusste er nicht. Müsste aber – wenn es um die Bau­zeit der Zis­ter­zi­en­ser­ab­tei geht – Fried­rich der I. sein. Und bei einem Detail bzw. einer kur­zen Bemer­kung wollte ich erst gar nicht nach­fra­gen: „Ist noch etwas durch­ein­an­der hier wegen des Unfalls ges­tern …“ Wir sind ja nicht sen­sa­ti­ons­lüs­tern! Aller­dings wur­den wir beim Betre­ten der ehe­ma­li­gen Abtei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Blu­men „noch vom Emp­fang von ges­tern“ seien, als ein ver­dien­ter Bür­ger von Ebrach geehrt wurde, der immer­hin schon 90 Jahre ist. Und da kam es zu dem Unfall. Jetzt musste ich fra­gen! „Ist etwas schlim­mes pas­siert?“ Nun, der Geehrte ist gestürzt und hat sich die Hüfte gebrochen.

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