Blick über Zeil am Main von der Käppele aus

Franken, Zeil am Main 2026

Mittwoch, 12. August:
Burgruine Königsberg i. B. und Zeiler Käppele

Ers­ter Tages­ord­nungs­punkt ist der Ein­kauf – Bäcker, Lidl, Braue­rei Göl­ler. Bäcker und Lidl sind kein Pro­blem, bei Göl­ler gibt es aber unser „Abend­rot“ nicht mehr. Hm. Die Bedie­nung hilft uns wei­ter, klin­gelt im Wirts­haus durch, stellt fest, dass dort „Abend­rot“ in Fla­schen noch vor­han­den ist und reser­viert uns die gewünschte Menge. Wir rasen also mit dem Auto noch ein­mal in Rich­tung „Alte Freyung“.

Auf dem Markt­platz kippt gerade ein gro­ßer Rei­se­bus eine Senio­ren­rei­se­gruppe aus, und die ers­ten Teil­neh­men­den set­zen je nach kör­per­li­cher Ver­fas­sung zum Spurt in Rich­tung … oh! … Göl­ler-Bier­gar­ten an. Und wenn ich „Spurt“ sage, dann meine ich das. Es wird gerannt. Bergab. 200 Meter. Mit teil­weise Geh­hil­fen in der Hand. Unfass­bar. Mit­ten auf der Straße, ohne Rück­sicht auf die Tat­sa­che, dass dort auch Autos fah­ren. Die Situa­tion reizt zum schal­len­den Lachen, Gott sei Dank sind die Auto­schei­ben geschlossen.

Wir schnei­sen unfall­frei durch den Pulk in eine restau­rant­nahe Park­lü­cke. Beim Aus­stei­gen und Gang zur Kneipe werde ich von den schnells­ten Teil­neh­mern des Wett­kampf­fel­des auf unser Dresd­ner Kenn­zei­chen ange­spro­chen, wir plau­dern kurz über säch­si­sche Stan­dards wie „ei ver­bibbsch“ und „Die­cher – nisch wie de Gaddse, son­dorn wie in Handdiecher!“

Ich fasse den tele­fo­nisch reser­vier­ten Sech­ser­kas­ten Bier aus und werde bei der Rück­kehr zum PKW von wirk­lich nicht gut zu Fuß sei­en­den Herrn mit einem „Erfolg­rei­chen Lösch­an­griff!“ ver­ab­schie­det. Herr­lich. Der Tag kann eigent­lich schon nicht mehr bes­ser werden.

Ich habe für den heu­ti­gen Tag ein klei­nes Pro­gramm mög­li­cher Anlauf­punkte zusam­men­ge­stellt: Burg­ruine Königs­berg in Bay­ern, Sei­den­häu­ser See, Burg­ruine Lich­ten­stein, Zei­ler Käp­pele. Übrig blei­ben davon nur der erste und der letzte Punkt; die bei­den ande­ren erset­zen wir durch einen Rund­gang in Königs­berg, wel­ches sich beim Durch­fah­ren in Rich­tung Burg als erstaun­lich nied­lich und sehens­wert her­aus­stellt. Man kann dort nicht unbe­dingt den gan­zen Tag ver­brin­gen, aber für ein oder zwei Stünd­chen reicht es.

Die Burg­ruine selbst ist mit viel Arbeit, viel Zeit, viel Frei­wil­li­gen­leis­tun­gen, viel Spen­den­geld und viel För­de­rung zu einer Eigent­lich-nicht-mehr-Ruine her­ge­rich­tet wor­den, von der man ein­mal mehr einen schö­nen Blick übers Land hat und durch wel­che man auch ein hal­bes Stünd­chen wan­dern kann. Die Burg­kneipe hat wegen Som­mer­ur­laubs geschlos­sen, aber das stört uns nicht – wir wol­len ja wei­ter, eigent­lich zum See, prak­tisch aber in den Ort. Net­tes Detail: In der pro­tes­tan­ti­schen Kir­che am Markt­platz gibt es ein Relief zur „ers­ten pro­tes­tan­ti­schen Abend­mahls­feier in der Kreuz­kir­che zu Dres­den 6. Juli 1539“.

Da sich das Pro­gramm wie erklärt zusam­men­kürzt, rol­len wir anschlie­ßend gleich zur „Zei­ler Käp­pele“, wo es auch ein Café geben soll. Auf dem Park­platz steht der blaue Rei­se­bus vom Vor­mit­tag. Und kein Scherz: Just in dem Augen­blick, in dem wir am Café ankom­men, stür­zen sich dort die sel­ben Senio­ren wie am Vor­mit­tag ins Lokal, aller­dings mit jetzt deut­lich gedämpf­ter Dynamik.

Wir ahnen, dass die Bedie­nung jetzt erst ein­mal alle Hände voll zu tun haben wird, star­ten des­halb einen Rund­gang rund um die Kapelle. Diese ist ein bekann­ter Wall­fahrts­ort und auch als „frän­ki­sches Lour­des“ bekannt; der Rund­gang ist ein voll­stän­di­ger Kreuz­weg mit 15 Sta­tio­nen, und ein grot­ten­ähn­li­cher Neben­raum (Nach­bau des Ori­gi­nals in Lour­des) ist einer Mari­en­sta­tue gewidmet.

Nach­dem im Café etwas Ruhe ein­ge­kehrt ist – was die Hek­tik betrifft; die Laut­stärke ist immer­noch erheb­lich –, las­sen wir uns Käse­sahne und Kaf­fee in den Außen­be­reich kom­men und neh­men der Wir­tin den Geschirr­rück­weg ab, was ihr sehr will­kom­men ist.

Abends ist par­ti­elle Son­nen­fins­ter­nis, wes­halb das Licht fürs Tage­buch­schrei­ben eher geeig­net ist als zum Lesen.

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