Mittwoch, 12. August:
Burgruine Königsberg i. B. und Zeiler Käppele
Erster Tagesordnungspunkt ist der Einkauf – Bäcker, Lidl, Brauerei Göller. Bäcker und Lidl sind kein Problem, bei Göller gibt es aber unser „Abendrot“ nicht mehr. Hm. Die Bedienung hilft uns weiter, klingelt im Wirtshaus durch, stellt fest, dass dort „Abendrot“ in Flaschen noch vorhanden ist und reserviert uns die gewünschte Menge. Wir rasen also mit dem Auto noch einmal in Richtung „Alte Freyung“.
Auf dem Marktplatz kippt gerade ein großer Reisebus eine Seniorenreisegruppe aus, und die ersten Teilnehmenden setzen je nach körperlicher Verfassung zum Spurt in Richtung … oh! … Göller-Biergarten an. Und wenn ich „Spurt“ sage, dann meine ich das. Es wird gerannt. Bergab. 200 Meter. Mit teilweise Gehhilfen in der Hand. Unfassbar. Mitten auf der Straße, ohne Rücksicht auf die Tatsache, dass dort auch Autos fahren. Die Situation reizt zum schallenden Lachen, Gott sei Dank sind die Autoscheiben geschlossen.
Wir schneisen unfallfrei durch den Pulk in eine restaurantnahe Parklücke. Beim Aussteigen und Gang zur Kneipe werde ich von den schnellsten Teilnehmern des Wettkampffeldes auf unser Dresdner Kennzeichen angesprochen, wir plaudern kurz über sächsische Standards wie „ei verbibbsch“ und „Diecher – nisch wie de Gaddse, sondorn wie in Handdiecher!“
Ich fasse den telefonisch reservierten Sechserkasten Bier aus und werde bei der Rückkehr zum PKW von wirklich nicht gut zu Fuß seienden Herrn mit einem „Erfolgreichen Löschangriff!“ verabschiedet. Herrlich. Der Tag kann eigentlich schon nicht mehr besser werden.
Ich habe für den heutigen Tag ein kleines Programm möglicher Anlaufpunkte zusammengestellt: Burgruine Königsberg in Bayern, Seidenhäuser See, Burgruine Lichtenstein, Zeiler Käppele. Übrig bleiben davon nur der erste und der letzte Punkt; die beiden anderen ersetzen wir durch einen Rundgang in Königsberg, welches sich beim Durchfahren in Richtung Burg als erstaunlich niedlich und sehenswert herausstellt. Man kann dort nicht unbedingt den ganzen Tag verbringen, aber für ein oder zwei Stündchen reicht es.
Die Burgruine selbst ist mit viel Arbeit, viel Zeit, viel Freiwilligenleistungen, viel Spendengeld und viel Förderung zu einer Eigentlich-nicht-mehr-Ruine hergerichtet worden, von der man einmal mehr einen schönen Blick übers Land hat und durch welche man auch ein halbes Stündchen wandern kann. Die Burgkneipe hat wegen Sommerurlaubs geschlossen, aber das stört uns nicht – wir wollen ja weiter, eigentlich zum See, praktisch aber in den Ort. Nettes Detail: In der protestantischen Kirche am Marktplatz gibt es ein Relief zur „ersten protestantischen Abendmahlsfeier in der Kreuzkirche zu Dresden 6. Juli 1539“.
Da sich das Programm wie erklärt zusammenkürzt, rollen wir anschließend gleich zur „Zeiler Käppele“, wo es auch ein Café geben soll. Auf dem Parkplatz steht der blaue Reisebus vom Vormittag. Und kein Scherz: Just in dem Augenblick, in dem wir am Café ankommen, stürzen sich dort die selben Senioren wie am Vormittag ins Lokal, allerdings mit jetzt deutlich gedämpfter Dynamik.
Wir ahnen, dass die Bedienung jetzt erst einmal alle Hände voll zu tun haben wird, starten deshalb einen Rundgang rund um die Kapelle. Diese ist ein bekannter Wallfahrtsort und auch als „fränkisches Lourdes“ bekannt; der Rundgang ist ein vollständiger Kreuzweg mit 15 Stationen, und ein grottenähnlicher Nebenraum (Nachbau des Originals in Lourdes) ist einer Marienstatue gewidmet.
Nachdem im Café etwas Ruhe eingekehrt ist – was die Hektik betrifft; die Lautstärke ist immernoch erheblich –, lassen wir uns Käsesahne und Kaffee in den Außenbereich kommen und nehmen der Wirtin den Geschirrrückweg ab, was ihr sehr willkommen ist.
Abends ist partielle Sonnenfinsternis, weshalb das Licht fürs Tagebuchschreiben eher geeignet ist als zum Lesen.



































