Freitag, 18. August:
Stratford-upon-Avon
Heute soll es trocken bleiben, und so fallen wir zeitig genug aus dem Bett für eine größere Tour. Nach dem Frühstück hole ich noch flink die vorbestellten Scones und Brötchen im Dorfladen ab. Dieser hat übrigens nur einen bezahlten Chef und wird ansonsten wie bereits beschrieben von Freiwilligen betrieben, eben damit eine Einkaufsmöglichkeit im Dorf erhalten bleibt. Geöffnet ist er wochentags von 7 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 9 bis 12 Uhr. Coole Sache!
In Stratford-upon-Avon nutzen wir wieder einen großen Park-and-Ride-Platz (Bishopton; Tagesparkgebühr 1 Pfund, wenn man nach 9 Uhr ankommt, und der Bustransfer ins Stadtzentrum und zurück kostet für zwei Personen zusammen 3 Pfund).
Während der Busfahrt zieht eine dunkle Wolke auf, und die ersten 30 Minuten im Städtchen werden etwas feucht. Ich habe auch noch meine Jacke im Häuschen vergessen, stehe also nur im T‑Shirt in der zugigen Nässe. Noch am überlegen, ob ich das toll finde, leitet mich Frau R. sanft in Richtung eines Ladens, in dem man u. U. eine Regenjacke kaufen könnte. Der sanfte Richtungshinweis lautete: „Dort drüben gibt es Hüte.“ Jedoch kommt es anders, 5 Minuten später sitzt ein neuer, fescher Hut für 6 Pfund aus dem Sonderangebot auf meinem Kopf, und das Wetter passt sich unverzüglich der neuen Situation an – die Sonne erscheint, und für den Rest des Tages bleibt es dann tatsächlich trocken. 🙂 Weshalb das bei Herrn H. als „Dort drüben gibt es Regenjacken.“ angekommen ist, weiß ich nicht. Wahrscheinlich war er auf eine Überraschung aus. Ich war kurz davor, mir etwas aus Tweed zu kaufen, was trotz der Sommerschlussverkauf-Sonderpreise aber am Preis gescheitert ist.
Stratford-upon-Avon heißt vor allem: Shakespeare hier, Shakespeare da, Shakespeare überall. Wir haben mit Shakespeare allerdings nicht allzu viel am Hut (haha!), schauen uns lieber die ganzen alten Häuschen in der Stadt an und schnudeln rund ums Royal Shakespeare Theatre an der Avon entlang. Nicht einmal das Grab von Shakespeare nehmen wir mit, obwohl wir in der passenden Kirche einen Zwischenhalt machen. Banausen sind wir, jawohl! Allerdings vermisse ich ein wenig die Pantomimen oder wenigstens „lebenden Statuen“, die Shakespeare darstellen. Wenigstens werde ich von einem Schwan begleitet. Aber den (wieder in äußerst großer Anzahl anwesenden) asiatischen Touristen gefällt es auch ohne Shakespeare-Darstellern. Die fiesen Autobahnkreisverkehre sind heute nicht mein Ding; die sechste zweispurige Ausfahrt in Richtung Häuschen muss ich deshalb dreimal ansteuern, bevor ich sie dann wirklich treffe. Der Kreisverkehr war übrigens 3‑spurig, und die 5. Ausfahrt bei Linksverkehr im Feierabendverkehr zu treffen, ist nicht einfach! Und ich falle mal wieder auf Prof. Inge’s Standardfalle herein, weil sie mich kurz vorm Heim, wenn ich schon etwas unkonzentriert bin, auf einer bestimmten geraden Straße immer nach rechts schickt, obwohl ich eigentlich geradeaus fahren muss …
Zurück zu Hause ist es zu frisch für die Terrasse, also heißt die Devise: Lesesofa.
Rachel und Pete waren übrigens auch noch nie in Stratford-upon-Avon, und Pete meint, dass ich ihm vielleicht mal ein Ausflugsprogramm durch seine Heimat zusammenstellen könnte …