North Mars­ton 2017

Mon­tag, 21.08.2017: Cam­bridge

Kurz­ent­schlos­sen tre­ten wir heute unsere letzte län­gere Tour an. Kurz­ent­schlos­sen? Ich bin fast bemü­ßigt zu sagen, dass Herr H. sanf­ten Druck aus­ge­übt hat. Ich hätte ja mal einen gemüt­li­chen Tag im Quar­tier gebraucht. Aber nein: Cam­bridge musste unbe­dingt bereist wer­den, damit der Rest der Woche fle­xi­bel gestalt­bar für einen Foto­tag mit Sta­tiv ist. 😉 Ich bleibe gespannt … Weck­zeit ist 8 Uhr, denn es geht nach Cam­bridge. Man muss zu Cam­bridge nicht allzu viel sagen – neben Oxford ist es die zweite bekannte Uni­ver­si­täts­stadt in Groß­bri­tan­nien und war­tet erneut mit allen mög­li­chen Col­le­ges, net­ten Häus­chen und lieb­li­chen Grün­an­la­gen auf. Wir wäh­len wie­der die bequeme Park-and-Ride-Vari­ante (Madingley P+R, Par­ken für ein Pfund, Bus­trans­fer pro Per­son drei Pfund hin und zurück).

In der Innen­stadt ange­kom­men, schla­gen wir uns erst­mal zwi­schen einer Mil­lion chi­ne­si­scher Tou­ris­ten durch zum Besu­cher­infor­ma­ti­ons­zen­trum und fas­sen dort eine Stadt­bro­schüre mit meh­re­ren optio­na­len Tou­ren aus. Wir ent­schei­den uns für „Sei­ten­gäss­chen und Col­lege-Rück­an­sich­ten“.

Und dann geht es los, vor­bei an alt­ehr­wür­di­gen Lehr­an­stal­ten und durch wuse­lige kleine Stra­ßen, hin zur St. Gile’s Church und dem noch etwas wei­ter oben lie­gen­den Cam­bridge Mound, dem höchs­ten Punkt der Stadt mit einer schö­nen Aus­sicht rundum. St. Peter, die kleinste Kir­che in ganz Eng­land, kön­nen wir lei­der nicht von innen besich­ti­gen – die Tür ist ver­schlos­sen, die Gale­rie nebenan, wo man eigent­lich den Schlüs­sel aus­fas­sen kann, wird gerade umge­baut und ist des­halb eben­falls zu. Ein net­ter Herr von der Bau­stelle gibt mir den Tip, dass der Schlüs­sel der­zeit in St. Gile’s abge­holt wer­den kann; dum­mer­weise schließt St. Gile’s aber 12 Uhr und es ist zu spät. Manch­mal spielt das Glück echt Ver­ste­cken …

Dafür wer­den wir aber von zwei freund­li­chen jun­gen Men­schen in den für Besu­cher eigent­lich kos­ten­pflich­ti­gen Park des St. Peter-Col­le­ges geschmug­gelt mit dem Hin­weis, wir müss­ten ein­fach nur wich­tig und beschäf­tigt aus­se­hen, dann würde sich schon nie­mand um uns küm­mern. Wich­tig und beschäf­tigt? Bin ich! Ich treibe es soweit, dass ich einen der reso­lut aus­se­hen­den Auf­se­her aber für ein Foto gewin­nen kann. Das Auf­sichts­per­so­nal zeigt seine Wich­tig­keit nicht nur durch dis­tin­gu­ier­tes Auf­tre­ten son­dern auch durch ele­gante Klei­dung: Anzug und Bow­ler (auch die Frauen). Das Per­so­nal von St. Peter wirkt in den grauen Anzü­gen ein wenig wie die „Grauen Her­ren“ in „Momo“, haben aber eine wirk­lich wich­tige Auf­gabe. Und zwar die Würde des Col­le­ges zu schüt­zen. Ins­be­son­dere vor asia­ti­schen Tou­ris­ten, die in ihrer Begeis­te­rung, eine leben­dige(!) Ente zu sehen, die sich auch noch füt­tern lässt, den hei­li­gen Rasen betre­ten, obwohl ein Schild die­ses ver­bie­tet. Der Auf­sichts­füh­rende schrei­tet gemäch­lich herzu, fasst die Gruppe Asia­ten streng ins Auge und winkt sie reso­lut vom Rasen her­un­ter. Ich hätte fast Bei­fall geklatscht!

Her­nach mäan­dern wir noch ein wenig durch die immer­noch tru­belige Innen­stadt und sam­meln ganz neben­bei Mit­bring­sel für die Lie­ben daheim ein. Die Suche nach einem indi­schen Take-away ver­läuft lei­der ergeb­nis­los, ein jun­ges orts­an­säs­si­ges Pär­chen kennt zwar eins, aber das liegt zu weit ab vom Weg zurück zum P+R‑Bus.

Auf dem Rück­weg nach Hause rei­ten wir noch beim LIDL in Mil­ton Keynes/​Bletchley ein – dort wer­den, mit­ten in Groß­bri­tan­nien, die Zah­lungs­be­lege tat­säch­lich in Deutsch aus­ge­druckt!

Zuhause gibt’s lecke­ren Zwei­gelt auf der abend­li­chen Ter­rasse. Lei­der immer noch ohne Kat­zen 🙁

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