North Mars­ton 2017

Diens­tag, 15.08.2017: Oxford

Das Wet­ter ist gran­dios blau­him­me­lig mit klei­nen Wölk­chen, und des­halb tre­ten wir gegen 9.30 Uhr eine Tour nach Oxford an. Wir fol­gen Pete’s Rat und steu­ern einen grö­ße­ren Park-and-Ride-Park­platz am Rande der Stadt an, von wo aus uns ein Shut­tle­bus bequem direkt ins Stadt­zen­trum bringt.

(Tipp: Macht es wie wir – Auto­fah­ren ist in Oxford kein Spaß, es gibt wenige Park­plätze, dafür viele enge Gas­sen. P+R in Red­bridge kos­tet 2 Pfund am Tag fürs Auto, und den aller zehn Minu­ten ver­keh­ren­den Shut­tle­bus gibt es mit einem 2‑to-go-Ticket für zwei Per­so­nen mit Hin- und Rück­fahrt für zusam­men 4,80 Pfund. Viel bil­li­ger und stress­freier geht es nicht.)

Wir fal­len kurz nach 10.30 Uhr direkt vor dem Christ­church Col­lage aus dem Dop­pel­de­cker und lat­schen erst­mal zur Tou­ris­ten­in­for­ma­tion. Bzw. zunächst geschickt vor­bei. Viel­leicht hat uns das Ver­sa­gen der Stadt­vä­ter von Ayles­bury der­ar­tig geprägt, dass wir erst ein­mal davon aus­ge­hen, dass es zwar Rich­tungs­schil­der zur Tou­ris­ten­in­for­ma­tion gibt, diese selbst aller­dings nicht. Von dort aus mäan­dern, ach­tern, schlin­gern und schlun­zen wir kreuz und quer durch die herr­li­che alte Uni­ver­si­täts­stadt mit ihren unzäh­li­gen Col­la­ges, Hin­ter­hö­fen und alten Bau­ten. Pem­broke Col­lage, in dem u. a. J.R.R. Tol­kien Stu­dent war, ist heute lei­der nicht für Besu­cher zugäng­lich, und so schauen wir uns also spä­ter doch noch das Christ­church Col­lage von innen an. Und die Stadt ist so über­füllt mit asia­ti­schen Tou­ris­ten, dass man sich auf einem ande­ren Kon­ti­nent wähnt! Und viele schei­nen auch nur in Oxford zu sein, weil eines der Col­le­ges – und zwar Christ­church Col­lage – Vor­lage für die Harry-Pot­ter-Filme war. Um genau zu sein: Der große Saal war Vor­lage für den Spei­se­saal und auf der Treppe wur­den die Neu­an­kömm­linge begrüßt. Ent­spre­chend groß war der Andrang zur Besich­ti­gung des Saals, wes­halb wir uns die­sen gespart haben, und es gab auch Besu­cher, in Kos­tü­mie­rung. Naja, wir fah­ren ja auch jedes Jahr zum WGT und wol­len ernst­ge­nom­men wer­den 😉

Her­nach lau­fen wir wei­ter zum Oxford Castle, zu dem Ort, an dem Oxford sei­nen Anfang nahm. Die Wikin­ger meu­chel­ten an die­ser Stelle die Sach­sen und schich­te­ten sie zu einem hohen Hau­fen auf. Spä­ter wurde ein Hügel auf­ge­schüt­tet. Dane­ben ent­stand eine Fes­tung, die mehr­fach wie­der abge­ris­sen und neu auf­ge­baut wurde und nach vie­len Jahr­hun­der­ten und Herr­schern dann der Stadt als Gefäng­nis diente. Im Erd­ge­schoss befin­det sich ein Holz­fuß­bo­den, in dem kreis­för­mige Wel­len­struk­tu­ren zu sehen sind. Diese stam­men von den Häft­lin­gen, wel­che als Schwerst­ar­beit ein gro­ßes För­der­rad dre­hen und damit Was­ser in die dar­über lie­gen­den Tanks fül­len muss­ten.

Unser Guide ist ein sehr ambi­tio­nier­ter älte­rer Herr mit gro­ßen schau­spie­le­ri­schen Talen­ten (Sei­nes Zei­chens Gäs­te­füh­rer, schlüpft er in die Rolle eines der frü­he­ren Bür­ger­meis­ter der Stadt, der sich das Ver­dienst zukom­men lässt, die Insas­sen des Gefäng­nis­ses durch sinn­volle Arbeit in man­chen Fäl­len reso­zia­li­siert zu haben, weil sie durch die Arbeit etwas gelernt und nach Abbü­ßen der Strafe eine Arbeit gefun­den haben.), der nach und nach allen Teil­neh­mern unse­rer Füh­rung ein­zelne Rol­len aus der Geschichte zuord­net – und das auch noch pas­send zu den tat­säch­li­chen Her­kunfts­län­dern der Gruppe aus ca. zehn Per­so­nen. Und so wird aus Frau R. Köni­gin Mat­hilda, eine Deut­sche, die bei­nahe die erste eng­li­sche Köni­gin gewor­den wäre, und ich werde zu ihrem Sohn Henry I., wel­cher es spä­ter tat­säch­lich auf den Königs­thron schafft und die Dynas­tie begrün­det, die bis zu Eliza­beth II. reicht. Es darf nicht uner­wähnt blei­ben, dass im Kel­ler­ge­wölbe des Schlos­ses auch die typi­sche Geis­ter­ge­schichte auf­ge­tischt wurde. Ob das Licht gerade in DIESEM Moment aus dra­ma­tur­gi­schen Grün­den aus­ging oder alles nur Zufall war, sei dahin­ge­stellt. Jeden­falls kön­nen wir uns beherr­schen und machen kein Foto von der Ecke, in dem die Geis­ter­er­schei­nung gesich­tet wurde. Auch auf den Aus­druck unse­rer „Ver­bre­ch­er­fo­tos“ ver­zich­ten wir. Die machen wir uns selbst 😉

Gegen 17.15 Uhr ist es dann genug mit Oxford. Wir rol­len die unge­fähr 45 Kilo­me­ter nach Hause, absol­vie­ren dabei unge­fähr 20 Kreis­ver­kehre und fal­len pünkt­lich zum Abend­essen an den Tisch.

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