Dienstag, 15. August:
Oxford
Das Wetter ist grandios blauhimmelig mit kleinen Wölkchen, und deshalb treten wir gegen 9.30 Uhr eine Tour nach Oxford an. Wir folgen Pete’s Rat und steuern einen größeren Park-and-Ride-Parkplatz am Rande der Stadt an, von wo aus uns ein Shuttlebus bequem direkt ins Stadtzentrum bringt.
(Tipp: Macht es wie wir – Autofahren ist in Oxford kein Spaß, es gibt wenige Parkplätze, dafür viele enge Gassen. P+R in Redbridge kostet 2 Pfund am Tag fürs Auto, und den aller zehn Minuten verkehrenden Shuttlebus gibt es mit einem 2‑to-go-Ticket für zwei Personen mit Hin- und Rückfahrt für zusammen 4,80 Pfund. Viel billiger und stressfreier geht es nicht.)
Wir fallen kurz nach 10.30 Uhr direkt vor dem Christchurch Collage aus dem Doppeldecker und latschen erstmal zur Touristeninformation. Bzw. zunächst geschickt vorbei. Vielleicht hat uns das Versagen der Stadtväter von Aylesbury derartig geprägt, dass wir erst einmal davon ausgehen, dass es zwar Richtungsschilder zur Touristeninformation gibt, diese selbst allerdings nicht. Von dort aus mäandern, achtern, schlingern und schlunzen wir kreuz und quer durch die herrliche alte Universitätsstadt mit ihren unzähligen Collages, Hinterhöfen und alten Bauten. Pembroke Collage, in dem u. a. J.R.R. Tolkien Student war, ist heute leider nicht für Besucher zugänglich, und so schauen wir uns also später doch noch das Christchurch Collage von innen an. Und die Stadt ist so überfüllt mit asiatischen Touristen, dass man sich auf einem anderen Kontinent wähnt! Und viele scheinen auch nur in Oxford zu sein, weil eines der Colleges – und zwar Christchurch Collage – Vorlage für die Harry-Potter-Filme war. Um genau zu sein: Der große Saal war Vorlage für den Speisesaal und auf der Treppe wurden die Neuankömmlinge begrüßt. Entsprechend groß war der Andrang zur Besichtigung des Saals, weshalb wir uns diesen gespart haben, und es gab auch Besucher, in Kostümierung. Naja, wir fahren ja auch jedes Jahr zum WGT und wollen ernstgenommen werden 😉
Hernach laufen wir weiter zum Oxford Castle, zu dem Ort, an dem Oxford seinen Anfang nahm. Die Wikinger meuchelten an dieser Stelle die Sachsen und schichteten sie zu einem hohen Haufen auf. Später wurde ein Hügel aufgeschüttet. Daneben entstand eine Festung, die mehrfach wieder abgerissen und neu aufgebaut wurde und nach vielen Jahrhunderten und Herrschern dann der Stadt als Gefängnis diente. Im Erdgeschoss befindet sich ein Holzfußboden, in dem kreisförmige Wellenstrukturen zu sehen sind. Diese stammen von den Häftlingen, welche als Schwerstarbeit ein großes Förderrad drehen und damit Wasser in die darüber liegenden Tanks füllen mussten.
Unser Guide ist ein sehr ambitionierter älterer Herr mit großen schauspielerischen Talenten (Seines Zeichens Gästeführer, schlüpft er in die Rolle eines der früheren Bürgermeister der Stadt, der sich das Verdienst zukommen lässt, die Insassen des Gefängnisses durch sinnvolle Arbeit in manchen Fällen resozialisiert zu haben, weil sie durch die Arbeit etwas gelernt und nach Abbüßen der Strafe eine Arbeit gefunden haben.), der nach und nach allen Teilnehmern unserer Führung einzelne Rollen aus der Geschichte zuordnet – und das auch noch passend zu den tatsächlichen Herkunftsländern der Gruppe aus ca. zehn Personen. Und so wird aus Frau R. Königin Mathilda, eine Deutsche, die beinahe die erste englische Königin geworden wäre, und ich werde zu ihrem Sohn Henry I., welcher es später tatsächlich auf den Königsthron schafft und die Dynastie begründet, die bis zu Elizabeth II. reicht. Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass im Kellergewölbe des Schlosses auch die typische Geistergeschichte aufgetischt wurde. Ob das Licht gerade in DIESEM Moment aus dramaturgischen Gründen ausging oder alles nur Zufall war, sei dahingestellt. Jedenfalls können wir uns beherrschen und machen kein Foto von der Ecke, in dem die Geistererscheinung gesichtet wurde. Auch auf den Ausdruck unserer „Verbrecherfotos“ verzichten wir. Die machen wir uns selbst 😉
Gegen 17.15 Uhr ist es dann genug mit Oxford. Wir rollen die ungefähr 45 Kilometer nach Hause, absolvieren dabei ungefähr 20 Kreisverkehre und fallen pünktlich zum Abendessen an den Tisch.