Eifel, Gerol­stein 2019

Don­ners­tag, 15. August 2019:
Net­ters­heim

Uiuiui, der zweite rich­tige Mist­wet­ter­tag in unse­rem Urlaub. Wir haben uns vor­aus­schau­end eine Schlecht­wet­ter­op­tion für heute aus­ge­guckt. In Net­ters­heim, ca. eine Drei­vier­tel­au­to­stunde von Gerol­stein ent­fernt, gibt es ein Natur­er­leb­nis­dorf in der Stadt mit Aus­stel­lun­gen zur Römer- und Fran­ken­zeit in der Eifel (2 EUR pro Erwach­se­nem), einer Fosi­li­en­samm­lung (kos­ten­los) und – yeah! – einem Fos­si­lien­acker in der Nähe, auf dem man sel­ber nach ver­stei­ner­ten Sachen suchen und bud­deln kann.

Das Bud­deln erle­digt übri­gens schon der Bauer, dem das Feld gehört, weil es beim Umpflü­gen immer wie­der Stein­bröck­chen hoch­wühlt, in denen man fün­dig wer­den kann. Den Anmarsch dahin timen wir so güns­tig, dass wir zwei Regen­hu­schen (eine auf dem Hin- und eine auf dem Rück­weg) unter einem Unter­stand neben einem Weg­kreuz aus­sit­zen kön­nen. Eine Schwalbe giert nach Frau R.’s Keks­krü­meln, eine selt­same Leit­plan­ken­be­ma­lung zeigt ins Gebüsch neben der Straße. Zurück in Net­ters­heim wan­dern wir noch an der Urft ent­lang vor­bei an den alten Kalk­brenn­öfen bis hin zu einem „Römer­wei­her“. Der See ist so ver­las­sen, dass weder Ente noch Schwan noch Rei­her zu sehen sind. Und Römer sowieso nicht.

Es reicht, wir lat­schen zurück und wer­den kurz vorm Auto noch schnur­rend von einem Jung­ka­ter begrüßt.

Der letzte Tages­ord­nungs­punkt soll eigent­lich ein Abend­essen im „An Jus­tavs“ in Net­tes­heim-Mar­ma­gen sein, da ist heute näm­lich Rei­be­ku­chen­tag, und Rei­be­ku­chen sind eifel­ty­pisch. Es fiel uns recht schwer, in oder um Gerol­stein herum ein Restau­rant mit loka­ler Küche zu fin­den – alles, was sich als Gast­hof oder Wirts­haus mit deut­scher Küche bezeich­net, hat meist Kar­ten, bei denen das Raf­fi­nier­teste noch die Schnit­zel­va­ria­tio­nen sind und wel­che für Vege­ta­rier die berühm­ten „Gemü­se­auf­läufe“ vor­hal­ten. Das reicht, um einen Besuch gar nicht erst infrage kom­men zu las­sen.

Wir betre­ten kurz vor 17.45 Uhr das Lokal – und wirk­lich alle Tische sind reser­viert, jedoch leer. Platz ist nur noch am geräu­mi­gen Thresen. Der Wirt meint zu uns, dass es mit dem Essen etwas län­ger dau­ern könnte, soll­ten sich die für 18 Uhr vor­be­stell­ten Tische fül­len. Ich bin ver­wirrt und frage, ob etwas dage­gen sprä­che, jetzt sofort etwas zu Essen zu bekom­men. Ant­wort: Man weiß ’et nicht, denn wenn die bestell­ten Tische dann ein­trä­fen, würde man keine Pro­gnose wagen. Ich bin ver­wirrt, denn solange noch gar nie­mand da ist, könnte die Küche ja unsere Rei­be­ku­chen … Frau R. hin­ge­gen ist ent­mu­tigt, und des­halb tre­ten wir die Heim­fahrt an. Gibt es eben Döner vom „Türk­men“ in Gerol­stein. So!

Blin­ker­he­bel und ‑leucht­mit­tel sind hier in der Gegend wahr­schein­lich sehr, sehr teuer und wer­den des­halb kaum ein­ge­setzt, nicht beim Ver­las­sen des Kreis­ver­kehrs (und davon gibt es um und in Gerol­stein bei­nahe mehr als in Däne­mark oder Groß­bri­tan­nien), nicht bei abbie­gen­den Haupt­stra­ßen, nicht beim Über­ho­len oder Wie­der­ein­sche­ren und auch nur gele­gent­lich beim Abbie­gen. Außer­dem fah­ren die Autos mit Dau­ner oder Bit­bur­ger Num­mern­schil­dern 70, wenn sie 100 dürf­ten, dafür aber 100, wenn sie nur 70 dürf­ten. Egal. Die Bel­gier sind schlim­mer.

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