Mittwoch, 7. August:
Büdingen
Ein wirklich altes Städtchen mit einer Schlossanlage, Reste der alten Stadtmauer, vielen Gassen und Gässchen und jeder Menge Geschichte ist nur einen Steinwurf vom Haus entfernt und will heute durchlatscht werden. Der bei Google als kostenlos ausgewiesene Parkplatz „Altstadt“ wartet mit einem Ticketautomaten auf, an dem „Bitte den anderen Automaten nutzen“ steht. Am anderen Automaten steht auch „Bitte den anderen Automaten nutzen – oder einfach eine Parkscheibe ins Auto legen“. Parkscheinautomaten-Pingpong. Aber gut, wenn’s am Ende nüscht kostet … Oder wie es in Südhessen so schön heißt: „Bevor isch misch uffreesch, isses mir liewer egal!“
Direkt an der Touristeninfo entdeckt Frau R. ein Plakat, das uns spontan bedauern lässt, zum falschen Tag am falschen Ort zu sein. Aber da muss man durch, Urlaub ist Urlaub und kein „Wünsch dir was“! Mit Strawanzen und Mäandern vergeht die Zeit auch so durchaus annehmbar. Die Schlossanlage ist heute Hotel und deshalb zwar durchgehbar, aber nicht zu besichtigen. An einer Ecke der Stadtmauer sehen wir einen Turm, an dem unserer Meinung nach „Folterturm“ geschrieben steht. Wir können das nicht überprüfen, weil wir dafür auf Privatgelände müssten. Es könnte aber – Entwarnung! – auch „Pulverturm“ gehießen haben. Der weiteste Abstecher führt uns zum „Wilden Stein“, einem mächtigen Basalthaufen und Aussichtspunkt über der Stadt, der uns von der Touri-Info sehr ans Herz gelegt wurde. Ja, das lohnt sich, auch wenn der Aufstieg etwas in die untrainierten Muskeln geht.
Was die Obsession der Bewohner für Frösche – lokal: Frääsch – betrifft: Darüber erzählt Frau R. jetzt mehr.
Ich beschänke mich aufs Wesentliche.
Der Froschkrieg oder wie die Büdinger zu ihrem Spitznamen „Frääsch“ kamen
1522: Graf Anton zu Ysenburg und Büdingen hatte Elisabeth von Wied geheiratet und war nach der Hochzeitsfeier in der Heimat seiner Braut nach Büdingen zurückgekehrt. Die Feier war anstrengend, die Reise ebenso und das Begrüßungsritual in Büdingen war auch nicht ohne. Graf Anton schläft in der gräflichen Kemenate gleich ein. Seine Frau kann wegen des Quakens, Glucksens und Planschens der Frösche im Schlossteich nicht schlafen. Sie weckt ihren Ehemann und droht, dass sie gleich am nächsten Tag wieder nach Hause fährt, wenn er nichts gegen diesen Lärm unternimmt. Und sie will die Ehe annullieren lassen „wegen Nichtvollziehung des Beilagers infolge Geräuschterrors“.
Graf Anton gab daraufhin dem Hofmeister den Befehl, dass die Bürger Büdingens für Ruhe sorgen und die Frösche ausrotten oder vertreiben sollen. Die Bürger taten sogleich wie geheißen, sammelten alle Frösche, derer sie habhaft werden konnten, in Körbe und Eimer und brachten sie auf den Marktplatz.
Am Schloss war tags darauf kein Gequake zu hören. Aber was sollte mit den eingesammelten Fröschen geschehen? Verbrennen? Erschießen? Zu Wurst verarbeiten? Der Bürgermeister schlug vor, die Frösche im Bach zu ertränken. Den Bürgern gefiel dieser Vorschlag. Und so zogen sie mit den gefangenen Fröschen zur nächsten Brücke, öffneten die Behältnisse und ließen den Inhalt in den Bach klatschen. Nach einem kurzen Zappeln im Wasser war nichts mehr zu sehen. Der Jubel der Bürger war groß, denn die Aufgabe war gelöst!
Abends war dann doch ein leichtes Gequake zu hören. Der Bürgermeister behauptete, dass könne nur ein Echo der wenigen überlebenden Frösche gewesen sein, die im Bach abgetrieben worden sind.
Seitdem werden die Büdinger als „Beuringer Frääsch“ bezeichnet. Sie fassen das als Ehrentitel auf. Nur die Frösche spielen seit dieser Zeit die Beleidigten. 😉