Hain-Gründau, Hessen 2024

Mittwoch, 7. August:
Büdingen

Ein wirk­lich altes Städt­chen mit einer Schloss­an­lage, Reste der alten Stadt­mauer, vie­len Gas­sen und Gäss­chen und jeder Menge Geschichte ist nur einen Stein­wurf vom Haus ent­fernt und will heute durch­latscht wer­den. Der bei Google als kos­ten­los aus­ge­wie­sene Park­platz „Alt­stadt“ war­tet mit einem Ticket­au­to­ma­ten auf, an dem „Bitte den ande­ren Auto­ma­ten nut­zen“ steht. Am ande­ren Auto­ma­ten steht auch „Bitte den ande­ren Auto­ma­ten nut­zen – oder ein­fach eine Park­scheibe ins Auto legen“. Park­schein­au­to­ma­ten-Ping­pong. Aber gut, wenn’s am Ende nüscht kos­tet … Oder wie es in Süd­hes­sen so schön heißt: „Bevor isch misch uffreesch, isses mir lie­wer egal!“

Direkt an der Tou­ris­ten­info ent­deckt Frau R. ein Pla­kat, das uns spon­tan bedau­ern lässt, zum fal­schen Tag am fal­schen Ort zu sein. Aber da muss man durch, Urlaub ist Urlaub und kein „Wünsch dir was“! Mit Stra­wan­zen und Mäan­dern ver­geht die Zeit auch so durch­aus annehm­bar. Die Schloss­an­lage ist heute Hotel und des­halb zwar durch­geh­bar, aber nicht zu besich­ti­gen. An einer Ecke der Stadt­mauer sehen wir einen Turm, an dem unse­rer Mei­nung nach „Fol­ter­turm“ geschrie­ben steht. Wir kön­nen das nicht über­prü­fen, weil wir dafür auf Pri­vat­ge­lände müss­ten. Es könnte aber – Ent­war­nung! – auch „Pul­ver­turm“ gehie­ßen haben. Der wei­teste Abste­cher führt uns zum „Wil­den Stein“, einem mäch­ti­gen Basalt­hau­fen und Aus­sichts­punkt über der Stadt, der uns von der Touri-Info sehr ans Herz gelegt wurde. Ja, das lohnt sich, auch wenn der Auf­stieg etwas in die untrai­nier­ten Mus­keln geht.

Was die Obses­sion der Bewoh­ner für Frö­sche – lokal: Frääsch – betrifft: Dar­über erzählt Frau R. jetzt mehr.

Ich beschänke mich aufs Wesentliche.

Der Froschkrieg oder wie die Büdinger zu ihrem Spitznamen „Frääsch“ kamen

1522: Graf Anton zu Ysen­burg und Büdin­gen hatte Eli­sa­beth von Wied gehei­ra­tet und war nach der Hoch­zeits­feier in der Hei­mat sei­ner Braut nach Büdin­gen zurück­ge­kehrt. Die Feier war anstren­gend, die Reise ebenso und das Begrü­ßungs­ri­tual in Büdin­gen war auch nicht ohne. Graf Anton schläft in der gräf­li­chen Keme­nate gleich ein. Seine Frau kann wegen des Qua­kens, Gluck­sens und Plan­schens der Frö­sche im Schloss­teich nicht schla­fen. Sie weckt ihren Ehe­mann und droht, dass sie gleich am nächs­ten Tag wie­der nach Hause fährt, wenn er nichts gegen die­sen Lärm unter­nimmt. Und sie will die Ehe annul­lie­ren las­sen „wegen Nicht­voll­zie­hung des Bei­la­gers infolge Geräuschterrors“.

Graf Anton gab dar­auf­hin dem Hof­meis­ter den Befehl, dass die Bür­ger Büdin­gens für Ruhe sor­gen und die Frö­sche aus­rot­ten oder ver­trei­ben sol­len. Die Bür­ger taten sogleich wie gehei­ßen, sam­mel­ten alle Frö­sche, derer sie hab­haft wer­den konn­ten, in Körbe und Eimer und brach­ten sie auf den Marktplatz.

Am Schloss war tags dar­auf kein Gequake zu hören. Aber was sollte mit den ein­ge­sam­mel­ten Frö­schen gesche­hen? Ver­bren­nen? Erschie­ßen? Zu Wurst ver­ar­bei­ten? Der Bür­ger­meis­ter schlug vor, die Frö­sche im Bach zu erträn­ken. Den Bür­gern gefiel die­ser Vor­schlag. Und so zogen sie mit den gefan­ge­nen Frö­schen zur nächs­ten Brü­cke, öff­ne­ten die Behält­nisse und lie­ßen den Inhalt in den Bach klat­schen. Nach einem kur­zen Zap­peln im Was­ser war nichts mehr zu sehen. Der Jubel der Bür­ger war groß, denn die Auf­gabe war gelöst!

Abends war dann doch ein leich­tes Gequake zu hören. Der Bür­ger­meis­ter behaup­tete, dass könne nur ein Echo der weni­gen über­le­ben­den Frö­sche gewe­sen sein, die im Bach abge­trie­ben wor­den sind.

Seit­dem wer­den die Büdin­ger als „Beu­rin­ger Frääsch“ bezeich­net. Sie fas­sen das als Ehren­ti­tel auf. Nur die Frö­sche spie­len seit die­ser Zeit die Beleidigten. 😉

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