Hain-Gründau, Hessen 2024

Donnerstag, 15. August:
Nochmal Gelnhausen

Wir haben für heute eigent­lich gar nichts vor. Denn drau­ßen ist es echt warm, und wir schwan­ken nach dem Auf­ste­hen zwi­schen Nüscht und Wald. Es wird: der Wald.

Ober­halb von Geln­hau­sen gibt es davon reich­lich. Man muss nur erst ein­mal hin­kom­men, denn wie gesagt: Geln­hau­sen ist steil. Wir stap­fen tap­fer die 27 Pro­zent Stei­gung durch die letz­ten Stadt­me­ter und dann über die Stein­gasse ins Grüne. Wobei der Name Stein­gasse täuscht, denn obwohl sich an ihr noch einige ver­wun­schene und zuge­wach­sene Grund­stü­cke befin­den, ist es nicht mehr als ein Schot­ter- und Geröll­weg durch nied­ri­ges Holz. Ich finde eine Scherbe, die ent­we­der neu­zeit­li­cher Tand, Majo­lika von Anfang des 20. Jahr­hun­derts oder feins­tes Stein­zeug aus dem 18. Jahr­hun­dert ist. Ich ent­scheide mich mutig und ahnungs­los für die letzte Vari­ante und nehme die Scherbe mit.

Danach wird alles bes­ser, zumin­dest was die Qua­li­tät der Wege betrifft. Denn wer sich von Google ver­folgt fühlt, kann im Wald bei Geln­hau­sen Spaß mit Google Maps haben. Der eigent­lich dau­er­in­for­mierte Inter­net­gi­gant ver­or­tet mich dort unter Zuhil­fe­name von teu­ren Satel­li­ten, Funk­netz­wer­ken und ande­rem Tech­voo­doo rat­los irgendwo an diver­sen Orten zwi­schen Frank­furt, Büdin­gen und Geln­hau­sen, und das manch­mal wech­selnd im Sekun­den­takt. Herr H. ist eben geheim­nis­voll und nicht zu orten. 😉 Den rich­ti­gen Wan­der­weg zu fin­den, ist des­halb kaum mög­lich, wes­halb sich die Tour zum Über­ra­schungs­lauf wan­delt. Das geheim­nis­volle „Zoll­loch“ las­sen wir des­halb aus, weil es nicht mal die Ein­hei­mi­schen kennen.

Wir kom­men immer­hin an einer ehe­ma­li­gen Quelle, dem Tan­nen­born, vor­bei, ent­de­cken den Schil­ler­stein, fin­den ein Hügel­grab im Wald und am Ende tat­säch­lich den Weg zurück zum Auto. Aber die Hitze for­dert ihren Tri­but, und des­halb sind wir nach reich­lich drei Stun­den fer­tig für heute. Den Wart­turm als letz­ten Weg­punkt errei­chen wir – eben­falls der Hitze geschul­det – per Auto. Im 12. Jahr­hun­dert war das sicher­lich ein gut gewähl­ter Stand­ort, um die Gegend nach Fein­den abzu­su­chen und dem Stadt­turm Signale zukom­men zu las­sen. Heute ist es wegen der vie­len Bäume ein­fach ein 9 Meter hoher Turm mit Blick auf einen rundum höhe­ren Wald in 10 Meter Abstand.

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