Donnerstag, 15. August:
Nochmal Gelnhausen
Wir haben für heute eigentlich gar nichts vor. Denn draußen ist es echt warm, und wir schwanken nach dem Aufstehen zwischen Nüscht und Wald. Es wird: der Wald.
Oberhalb von Gelnhausen gibt es davon reichlich. Man muss nur erst einmal hinkommen, denn wie gesagt: Gelnhausen ist steil. Wir stapfen tapfer die 27 Prozent Steigung durch die letzten Stadtmeter und dann über die Steingasse ins Grüne. Wobei der Name Steingasse täuscht, denn obwohl sich an ihr noch einige verwunschene und zugewachsene Grundstücke befinden, ist es nicht mehr als ein Schotter- und Geröllweg durch niedriges Holz. Ich finde eine Scherbe, die entweder neuzeitlicher Tand, Majolika von Anfang des 20. Jahrhunderts oder feinstes Steinzeug aus dem 18. Jahrhundert ist. Ich entscheide mich mutig und ahnungslos für die letzte Variante und nehme die Scherbe mit.
Danach wird alles besser, zumindest was die Qualität der Wege betrifft. Denn wer sich von Google verfolgt fühlt, kann im Wald bei Gelnhausen Spaß mit Google Maps haben. Der eigentlich dauerinformierte Internetgigant verortet mich dort unter Zuhilfename von teuren Satelliten, Funknetzwerken und anderem Techvoodoo ratlos irgendwo an diversen Orten zwischen Frankfurt, Büdingen und Gelnhausen, und das manchmal wechselnd im Sekundentakt. Herr H. ist eben geheimnisvoll und nicht zu orten. 😉 Den richtigen Wanderweg zu finden, ist deshalb kaum möglich, weshalb sich die Tour zum Überraschungslauf wandelt. Das geheimnisvolle „Zollloch“ lassen wir deshalb aus, weil es nicht mal die Einheimischen kennen.
Wir kommen immerhin an einer ehemaligen Quelle, dem Tannenborn, vorbei, entdecken den Schillerstein, finden ein Hügelgrab im Wald und am Ende tatsächlich den Weg zurück zum Auto. Aber die Hitze fordert ihren Tribut, und deshalb sind wir nach reichlich drei Stunden fertig für heute. Den Wartturm als letzten Wegpunkt erreichen wir – ebenfalls der Hitze geschuldet – per Auto. Im 12. Jahrhundert war das sicherlich ein gut gewählter Standort, um die Gegend nach Feinden abzusuchen und dem Stadtturm Signale zukommen zu lassen. Heute ist es wegen der vielen Bäume einfach ein 9 Meter hoher Turm mit Blick auf einen rundum höheren Wald in 10 Meter Abstand.