Eifel, Huppenbroich 2025

Mittwoch, 6. August:
Raeren

Bel­gien! Ich „liebe“ Bel­gien! Nicht wahr? Das weiß man, wenn man unsere Urlaubs­be­richte bis hier­hin auf­merk­sam ver­folgt hat.

Jedoch bezieht sich meine „Liebe“ zu Bel­gien ja haupt­säch­lich auf die Auto­bahn­fahr­ten nach und von Calais und die damit ver­bun­de­nen Kon­takte mit bel­gi­schen Auto­fah­ren­den. Aber tat­säch­lich hat Bel­gien auch schöne Sei­ten, und eine besich­ti­gen wir heute. Wir rol­len ein halbe Stunde nach Abfahrt über die bel­gi­sche Grenze – was man kaum merkt, da sich hier eigent­lich nur die Ver­kehrs­schil­der leicht ändern, aber die Stra­ßen­schil­der und die meis­ten ande­ren Aus­schil­de­run­gen in Deutsch ver­fasst sind. Tat­säch­lich ver­lau­fen einige Land­stra­ßen im Gebiet Monschau/​Aachen bei­nahe im Zick­zack über die Län­der­grenze – wer auch immer da wie­der Grenz­kon­trol­len ein­füh­ren möchte, wird ganz sicher nicht mehr glücklich.

Wir sind jetzt also im Gebiet der deut­schen Min­der­heit in Bel­gien bei Roet­gen, und kon­kret stel­len wir unser Auto neben einem klei­nen Schlöss­chen in der Ort­schaft Rae­ren ab. Die­ses Schlöss­chen wird natür­lich auch gerade saniert, wes­halb sich die Hoff­nung auf roman­ti­sche Fotos weit­ge­hend erledigt.

Wir sind jedoch nicht wegen des Schlos­ses hier, son­dern wegen der Aus­sicht auf einen Natur­rund­gang auf einem „Wie­sen­wan­der­weg“. Der führt uns an Bächen ent­lang über Fel­der und Wie­sen, wir pas­sie­ren allein­ste­hende Gehöfte und durch­strei­fen klei­nere Orte wie z. B. Botz.

Und irgend­wer hat irgendwo natür­lich wie­der den ent­schei­den­den Weg­wei­ser abge­baut. (Ähn­li­che Pro­bleme hat­ten im Zwei­ten Welt­krieg auch die Ame­ri­ka­ner, auf deren Kar­ten die Zufahrt nach Rae­ren als Straße ein­ge­zeich­net war. Tat­säch­lich aller­dings gelangte man damals mit dem Pfer­de­kar­ren in die Stadt, indem man mit dem Kar­ren in ein Bach­bett fuhr und die­sem folgte.) Die ein­zige Frau, wel­che wir tref­fen, ist sehr freund­lich – im Gegen­satz zu ihrem leicht auf Kra­wall gebürs­te­ten Spitz –, spricht nur aber auch als ein­zige weit und breit kaum Deutsch. Und auch kein Eng­lisch. Nur Fran­zö­sisch und eben ein paar sehr wenige Bro­cken unse­rer Mut­ter­spra­che. Ihre muti­gen Ver­su­che, uns zu hel­fen, bekom­men durch das ener­gi­sche Schwen­ken des vol­len Hun­de­ka­cke­tüt­chens eine dra­ma­ti­sche Kom­po­nente. Ich halte Abstand und ver­su­che, die mög­li­che Flug­bahn des Tüt­chens vor­her­zu­se­hen … Sie besteht aller­dings vehe­ment dar­auf, dass wir kei­nes­falls dort sein kön­nen, wo wir es laut Karte ver­mu­ten. Von der Ort­schaft, durch die wir drei­hun­dert Meter vor­her gelau­fen sind, hat sie noch nie gehört. Wir müss­ten ein­fach wie­der in die Rich­tung, aus der wir gerade kom­men, und bei „Hydro Alu­mi­nium“ dann nach rechts. Wei­tere zwei ergeb­nis­lose Minu­ten spä­ter, als ich ver­su­che, mich auf freund­li­che Weise zu ver­ab­schie­den, lässt sie mich aller­dings wis­sen, dass sie sich seit Corona nichts mehr mer­ken kann. Aber ob ich ihr Haus kau­fen möchte, die Num­mer 58, gleich da vorn?

Wir ent­fer­nen uns etwas bedrückt, lau­fen dann aber ent­ge­gen den Rat­schlä­gen noch etwas wei­ter in unsere ursprüng­li­che Rich­tung und ent­de­cken ein paar Meter wei­ter end­lich wie­der einen Weg­wei­ser, der zu einem der Punkte auf unse­rer Wunsch­route weist. Uff!

Wären wir etwas spä­ter bei „Hydro Excur­sion“ – so heißt die Firma tat­säch­lich – dann wirk­lich nach rechts abge­bo­gen wie emp­foh­len, hät­ten wir nicht noch eine kleine Extra­runde gedreht. Also, liebe unbe­kannte Frau: Sie sind rehabilitiert.

Kurz vor Schluss der Tour besich­ti­gen wir noch eine etwas opu­len­tere katho­li­sche Kir­che, und nach wie­der etwas mehr als 10 Kilo­me­tern Rund­weg heute fal­len wir ins Auto.

Eine schwarz­weiße Katze schleicht sich fast unbe­merkt von uns im Gar­ten vor­bei, hält aber kurz vorm Tor noch­mal inne, um etwas Auf­merk­sam­keit ein­zu­heim­sen. Zack, gül­ti­ger Tag.

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