Eifel, Huppenbroich 2025

Sonntag, 10. August:
Westwallwanderweg, Höckerlinie

In der Mon­schauer Gegend hat­ten der Föh­rer und seine Beton­wer­ker nichts bes­se­res zu tun, als im Rah­men des soge­nann­ten West­walls die Natur der bis dahin fast unge­nutz­ten moor­ähn­li­chen Land­schaft zu ver­schan­deln und tau­sende Dra­chen­zähne als Pan­zer­sper­ren­li­nien in die Land­schaft zu kip­pen. Das Hin­weis­schild zum West­wall­wan­der­weg ver­weist auf die Benut­zung auf eigene Gefahr. Naja, damals wie heute …

Wenn man dem mehr oder weni­ger sinn­lo­sen Pro­jekt etwas Posi­ti­ves abge­win­nen will: Bau­lich waren die Pan­zer­sper­ren von sehr guter Qua­li­tät, und die Vor­der­kante, den Pan­zern aus Wes­ten zuge­wandt und von Sta­chel­draht­hin­der­nis­sen befreit, ergibt einen selbst nach acht­zig Jah­ren noch erstaun­lich gut erhal­te­nen Wan­der­weg. Ein­zi­ges Manko: Der ist über viele Hun­dert Meter immer nur die genorm­ten fünf­zig oder sech­zig Zen­ti­me­ter breit, hat kei­ner­lei Gelän­der, und wenn man abrutscht, dann rich­tig, zum Teil einen Meter tief in den Morast.

Was wir aber ver­mei­den und wes­halb die Wan­de­rung rund um Sim­mer­ath und Bicke­rath ange­mes­sen Spaß macht. In Bicke­rath, wo der Kall-Bach durch die Gegend ver­läuft, erfah­ren wir auf einer Erklär­ta­fel sogar etwas über einen Biber mit über­bor­den­dem Gestal­tungs­drang, ler­nen ihn aller­dings nicht per­sön­lich kennen.

Etwas abseits des Weges ent­de­cken wir noch das Heck­kreuz, im Geden­ken an einen Bau­ern errich­tet, der 1829 beim Fut­ter-im-Moor-holen von einem Gewit­ter über­rascht und in einem Gebüsch zwar nicht beim Sche*ßen , aber eben trotz­dem vom Blitz getrof­fen wurde. Eigent­lich alles rich­tig gemacht, keine Eiche weit und breit, aber das Leben war schon damals kein Pony­hof. Inter­es­san­tes Detail: In der in einer doch eher kon­ven­tio­nel­len Seri­fen-Anti­qua gemei­ßel­ten Inschrift sind alle „N“ hori­zon­tal gespie­gelt – ent­we­der eine typo­gra­fi­sche Raf­fi­nesse, oder der Stein­metz war Analphabet …

Nach unge­fähr sie­ben Kilo­me­tern Wan­de­rung über den und neben dem West­wall­rest­wall geht es zum Abend­brot heute ins nur ein Grund­stück wei­ter lie­gende Restau­rant „Zur Alten Post“, wo wir uns mit gut­bür­ger­li­cher Küche – Schnit­zel mit wirk­lich lecke­rer Senf­soße und Frit­ten für mich, Käse­knöpfle für Frau R. – den Magen fül­len. Das Lokal hat nur frei­tags, sams­tags und sonn­tags geöff­net, es wird also vor­aus­sicht­lich unser ein­zi­ger Besuch dort blei­ben. Aller­dings ist es sehr gut gefüllt, und wir las­sen des­halb die Plätze an den ande­ren Tagen für andere Gäste.

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