Sonntag, 10. August:
Westwallwanderweg, Höckerlinie
In der Monschauer Gegend hatten der Föhrer und seine Betonwerker nichts besseres zu tun, als im Rahmen des sogenannten Westwalls die Natur der bis dahin fast ungenutzten moorähnlichen Landschaft zu verschandeln und tausende Drachenzähne als Panzersperrenlinien in die Landschaft zu kippen. Das Hinweisschild zum Westwallwanderweg verweist auf die Benutzung auf eigene Gefahr. Naja, damals wie heute …
Wenn man dem mehr oder weniger sinnlosen Projekt etwas Positives abgewinnen will: Baulich waren die Panzersperren von sehr guter Qualität, und die Vorderkante, den Panzern aus Westen zugewandt und von Stacheldrahthindernissen befreit, ergibt einen selbst nach achtzig Jahren noch erstaunlich gut erhaltenen Wanderweg. Einziges Manko: Der ist über viele Hundert Meter immer nur die genormten fünfzig oder sechzig Zentimeter breit, hat keinerlei Geländer, und wenn man abrutscht, dann richtig, zum Teil einen Meter tief in den Morast.
Was wir aber vermeiden und weshalb die Wanderung rund um Simmerath und Bickerath angemessen Spaß macht. In Bickerath, wo der Kall-Bach durch die Gegend verläuft, erfahren wir auf einer Erklärtafel sogar etwas über einen Biber mit überbordendem Gestaltungsdrang, lernen ihn allerdings nicht persönlich kennen.
Etwas abseits des Weges entdecken wir noch das Heckkreuz, im Gedenken an einen Bauern errichtet, der 1829 beim Futter-im-Moor-holen von einem Gewitter überrascht und in einem Gebüsch zwar nicht beim Sche*ßen , aber eben trotzdem vom Blitz getroffen wurde. Eigentlich alles richtig gemacht, keine Eiche weit und breit, aber das Leben war schon damals kein Ponyhof. Interessantes Detail: In der in einer doch eher konventionellen Serifen-Antiqua gemeißelten Inschrift sind alle „N“ horizontal gespiegelt – entweder eine typografische Raffinesse, oder der Steinmetz war Analphabet …
Nach ungefähr sieben Kilometern Wanderung über den und neben dem Westwallrestwall geht es zum Abendbrot heute ins nur ein Grundstück weiter liegende Restaurant „Zur Alten Post“, wo wir uns mit gutbürgerlicher Küche – Schnitzel mit wirklich leckerer Senfsoße und Fritten für mich, Käseknöpfle für Frau R. – den Magen füllen. Das Lokal hat nur freitags, samstags und sonntags geöffnet, es wird also voraussichtlich unser einziger Besuch dort bleiben. Allerdings ist es sehr gut gefüllt, und wir lassen deshalb die Plätze an den anderen Tagen für andere Gäste.